28. Juni 2019

ETFs unter der Lupe

Komplizierter und riskanter als auf den ersten Blick ersichtlich

von Florian König

ETFs unter der Lupe: Komplizierter und riskanter als auf den ersten Blick ersichtlich


Nahezu 6 Billionen US-Dollar ist der Weltmarkt für ETFs aktuell schwer. In den vergangenen 5 Jahren hat sich das ETF-Vermögen in Europa mehr als verdoppelt. Das Marktvolumen des europäischen ETF-Markts könnte bis zum Jahr 2024, nach Schätzungen von Morningstar, auf 2 Billionen Euro steigen.

Und wer kann es Anlegern verübeln, wenn sie immer mehr Geld in die Indexfonds investieren? Schließlich bringen die heutigen Zeiten, angesichts der Volatilität an den Märkten, den Minizinsen und den politischen Unwägbarkeiten, mehr Herausforderungen mit sich, als uns Anlegern lieb sein kann.

Börsengehandelte ETFs erfreuen sich also nicht ohne Grund steigender Beliebtheit



Doch was sind ETFs genau?

Das Kürzel „ETF“ steht für „Exchange Traded Fund“. Dies sind Indexfonds, die immer einen zugrunde liegenden Index 1:1 abbilden und in ihrer Zusammensetzung an die Gewichtung des Index gekoppelt sind. Wenn daher ein Index in seiner Wertentwicklung steigt, steigt auch der Wert des ETF. Wenn der Index fällt, fällt der ETF ebenso. ETFs werden rein passiv gemanagt, das heißt, ein Fondsmanager greift nicht in die Zusammensetzung des Portfolios ein.

Bei allem Enthusiasmus über Exchange Traded Funds als, auf den ersten Blick, einfaches Werkzeug zum Vermögensaufbau wollen wir aber keinesfalls die Risiken dieses Finanzproduktes unter den Tisch fallen lassen.

Zunächst sollten Sie natürlich bedenken, dass vor allem breit aufgestellte ETFs sehr sensibel auf die Lage und Entwicklung der allgemeinen Welt- und Finanzwirtschaft reagieren. Denn ETFs bilden die Performance eines Index, abgesehen vom Tracking Error, immer 1:1 ab. Den Tracking Error können Sie in der Regel dem Factsheet des Produkts entnehmen.

Doch bedenken Sie: Der Tracking Error kann zwischen zwei ETFs, denen der gleiche Index zugrunde liegt, durchaus variieren. Und je nachdem, ob es sich bei dem Index um einen thesaurierenden oder ausschüttenden Aktienindex, handelt, kann es zu weiteren Abweichungen zwischen ETF und dem zugrundeliegenden Index kommen.

In den Jahren 2008 und 2009 wären Sie mit einem ETF nicht gut gefahren

Schließlich geben Sie mit einem ETF immer Vollgas. Das Fondsvolumen wird immer zu 100 Prozent investiert, in Crash- genauso wie in Boom-Phasen. Während die Verantwortlichen eines aktiv gemanagten Fonds – so wie ich auch beim PI Global Value Fund beispielsweise – auch gerne einmal viel Geld in ihrer Kasse liegen lassen, um in günstigen Phasen schnell reagieren, einsteigen und nachkaufen zu können, sind Indexfonds immer voll engagiert.

In guten Zeiten ist dies ein Vorteil...

Doch in schlechten Zeiten wird es sich als Nachteil erweisen!


Auch wenn Sie einen Branchenindex zur Investition erkoren haben und die betreffende Branche gerade in einem Tief steckt, wird Ihr ETF Verluste machen, da er einen gewissen Durchschnitt der Branche repliziert. Solch schlechte Zeiten können durchaus einige Monate und sogar Jahre andauern. Nachteil der ETFs ist es eben, dass sie nicht auf Krisen reagieren können. Und da seit einigen Jahren verstärkt Computer miteinander an den Börsen handeln, kann es mitunter recht turbulent werden.

Bereits im Jahr 2011 veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine Studie zur Sicherheit von ETFs. Damals lag das verwaltete Volumen der ETFs noch bei relativ mageren 1,2 Billionen US-Dollar. Probleme können laut BIZ vor allem dann entstehen, wenn die Börsen abstürzen und viele Anleger auf einmal verkaufen möchten. Im Gegensatz zu den aktiv gemanagten Fonds, die bis zu zehn Prozent Liquidität bereithalten, sind ETFs immer voll investiert.

Ziehen Anleger dann auf einmal massenweise ihr Geld ab und die Anbieter müssen in einen stark fallenden Markt weiter hineinkaufen, können die Marktturbulenzen sich rasant verschärfen.

In einem volatilen Umfeld kann der moderne Hochfrequenzhandel, bei dem immer mehr weniger Trader aus Fleisch und Blut eingreifen, zu einem starken Abwärtssog führen, wenn ein Stop-Loss-Kurs, in gewisser Weise eine Reißleine, nach dem anderen erreicht wird. Ist ein Stop-Loss durch fallende Kurse erst erreicht oder unterschritten, löst das neue Verkäufe aus. Die ETFs wirken dabei als Verstärker, da sie Kursabfälle der Indizes 1:1 nachahmen und dabei sogar Handelsstopps an den Börsen provozieren können.


ETFs unter der Lupe: Komplizierter und riskanter als auf den ersten Blick ersichtlich


Und selbst solche Szenarien sind keine hohle Theorie...

Wir haben sie bereits erlebt!

Das letzte Mal am 24. August 2015 beim Flash Crash, als ein ETF auf den NASDAQ 100 innerhalb von Sekunden nach Handelsbeginn im Tief um fast zehn Prozent einbrach.

Aus diesem Grund hat der Fondsmanager Dennis Bryan ETFs sogar als „Massenvernichtungswaffen“ beschrieben. Sie hätten die Aktienpreise verzerrt und das Potenzial für einen großangelegten Ausverkauf an den Märkten geschaffen.

Auch das Währungsrisiko spielt bei ETFs eine Rolle

Die Fondswährung und die Handelswährung unterscheiden sich nicht selten. Die Fondswährung bezeichnet die Währung, in der der Fonds investiert und zu der die Wertpapiere im Fonds bewertet werden. Ein ETF auf einen US-Index wird seine Aktien beispielsweise in US-Dollar kaufen. Auf der anderen Seite bezeichnet die Handelswährung die Währung, in welcher der ETF gehandelt wird, in der Euro-Zone also in Euro. Je nach Entwicklung der Devisenkurse kann der ETF von der Wertdifferenz zwischen der Fonds- und der Handelswährung profitieren, aber durch sie auch verlieren.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass eine emittierende Fondsgesellschaft den Benchmark ihres ETFs, also den nachzubildenden Index, wechseln kann. Juristisch ist dies möglich, wenn der Emittent eine gewisse Ankündigungsfrist einhält. In der Praxis ist dies bislang zwar nur selten vorgekommen, doch sollten Sie, liebe Leser, davon betroffen sein, müssen Sie unbedingt prüfen, ob der neue Benchmark Ihren Erwartungen und Einschätzungen entspricht.

Ebenso ist es möglich, dass der Emittent den Indexfonds schließt oder mit einem anderen Produkt aus seinem Haus fusioniert. Wenn ein Fonds aus Sicht der Gesellschaft zu geringe Erträge abwirft, kann eine solche Schließung oder Fusion durchaus veranlasst werden.


Und damit komme ich zu dem aktuell wohl bedeutungsvollsten Problemkomplex der Exchange Traded Funds: den Derivaten. Das fängt an bei den auf Swaps basierenden ETFs. Wird ein Indexfonds nicht physisch repliziert, sondern seine Performance mittels einer Zahlungsvereinbarung zwischen der emittierenden Fondsgesellschaft und ihrem Swap-Partner nachgeahmt, besteht die Gefahr, dass ein Ausfall des Swap-Partners zu Verlusten des ETF führt.



Auch leihen viele Fondsmanager physisch replizierender ETFs Wertpapiere häufig an große institutionelle Anleger, wie zum Beispiel Lebensversicherungen, aus, die diese Papiere dann oft für Leerverkäufe, also für Wetten auf fallende Kurse, nutzen. Dank dieser Leihgeschäfte ist es den Fondsmanagern einerseits möglich, sogar einen positiven Tracking Error, also eine bessere Rendite als der abgebildete Index, zu erwirtschaften, andererseits entstehen durch die Leihgeschäfte ebenfalls nicht unerhebliche Ausfallrisiken für den Fonds.


ETFs sind also nur auf den ersten Blick einfache Anlageprodukte

Sie können durch den Inhalt des Sondervermögens und die Ausfallrisiken bei den Beteiligten komplizierter und risikoreicher sein als viele traditionelle Wertpapierfonds. Die wenigsten Anleger allerdings graben so tief, dass sie die Konstruktionen verstehen, die Banken bei diesen Indexfonds aufgebaut haben.

Das Verpassen von Ertragschancen durch kleine wachstumsstarke Unternehmen ist garantiert!

Als ETF-Investor sollte man sich auf große Märkte mit genügender Liquidität konzentrieren. Doch dadurch verpasst man automatisch kleine wachstumsstarke Unternehmen wie Atoss Software, Grenke oder Bechtle und kann das Ertragspotenzial seines Vermögens nicht voll entfalten.

Mit unseren Fonds folgen wir streng dem Reinheitsgebot der Kapitalanlage

Wir investieren zu rund 80 Prozent in Aktien und zu geringen Teilen in renditestarke Unternehmensanleihen. Daneben bauen wir eine ordentliche Cash-Reserve auf, mit der wir in schlechteren Börsenzeiten starke Unternehmen zu günstigen Bewertungen kaufen werden. Mit dieser Strategie fahren auch die Leser unseres Börsenbriefes Der Privatinvestor seit mehr als 15 Jahren sehr gut.



Auf gute Investments,
Ihr
Florian König


P.S.: Viele weitere Informationen zu Anlagestrategien, aktuelles Börsenwissen und neueste Unternehmensanalysen finden Sie auf unserem Blog, täglich per WhatsApp und natürlich auch in unserem E-Mail-Newsletter.


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