Schwere Gewitterwolken am Horizont
Die aktuelle Lage 2018

von Dirk Müller


Der folgende Gastbeitrag ist ein Auszug aus Dirk Müller: Machtbeben - Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten - Hintergründe, Risiken, Chancen. Heyne Verlag, 352 Seiten, 22 Euro.


Egal mit wem ich derzeit hinter den Kulissen über die wirtschaftliche und politische Großwetterlage spreche, es ist nicht einer darunter, der die Ansicht vertritt: „Alles wird gut“. Vor der Kamera mag das durchaus anders klingen, hier gilt es, nicht zu beunruhigen, nicht als Pessimist dazustehen oder schlicht die Interessen dieses oder jenes Hauses zu wahren. Ganz offenkundig sieht jeder die schweren Gewitterwolken am bedrohlich gelben Horizont heraufziehen. Aber noch stehen wir in der Sonne und hoffen, dass diese Gewitterzelle sich vielleicht irgendwie doch noch auflösen oder zumindest an uns vorbeiziehen wird. Doch die Meteorologen der Wirtschaft und der Politik, mit denen ich seit vielen Jahren in engem Austausch stehe, haben derzeit tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Einer sagte: „Da kommt etwas auf uns zu, das hat noch keiner von uns je gesehen. Was da kommt, ist der perfekte Sturm.“

Die amerikanische Investorenlegende Jim Rogers beschrieb es im Sommer 2017 mit den Worten: „lt's going to be the worst crash in my lifetime. Be worried!“ (Das wird der schlimmste Crash meines Lebens werden. Seien Sie besorgt!) Jim Rogers wurde 1 942 geboren und ja, es ist zu befürchten, dass das, was sich hier zusammenbraut, näher an den Auswirkungen der großen Weltwirtschaftskrise nach dem Crash von 1929 liegen wird als an jenen der relativ harmlosen, aber uns noch sehr präsenten Krise im Jahre 2008.




Man muss einschränkend anmerken, dass Jim all die Zusammenhänge korrekt erkennt, beschreibt und deren wahrscheinlichen Ausgang zu Recht fürchtet: Was aber niemand prophezeien kann, ist der zeitliche Ablauf der Dinge. Es ist immer wieder erstaunlich, wie lange Systeme und Strukturen durchhalten können, bei denen von Beginn an klar ist, dass sie zu fehlerhaft sind, um langfristig zu bestehen. Zu Beginn der kommunistischen Staatsformen Anfang des 20. Jahrhunderts waren sich zahllose Wirtschaftsexperten einig, dass das nicht dauerhaft funktionieren werde. Jedoch dachte man an Zeiträume von fünf bis zehn Jahren. Tatsächlich hat der Kommunismus siebzig Jahre durchgehalten.

Der Euro bereitet große Probleme und ist eine Fehlkonstruktion, solange Europa aus unterschiedlichen und eigenständigen Staaten besteht. Selbst Helmut Kohl sagte in seiner Regierungserklärung am 6. November 1991 schicksalsschwer: „Man kann dies nicht oft genug sagen. Die politische Union ist das unerlässliche Gegenstück zur Wirtschafts- und Währungsunion. Die jüngere Geschichte, und zwar nicht nur die Deutschlands, lehrt uns, dass die Vorstellung, man könne eine Wirtschafts- und Währungsunion ohne politische Union auf Dauer erhalten, abwegig ist.“



Ich habe in meinem letzten Buch Showdown umfangreich dargelegt, welchen Schaden der Euro tatsächlich anrichtet und dass es ein weitverbreiteter Irrtum ist, anzunehmen, Deutschland würde davon per Saldo profitieren. Damals galt diese Sichtweise als Ketzerei und seine Anhänger als „europafeindlich“. Inzwischen haben auch die Volkswirte der Europäischen Zentralbank eingeräumt, dass der Euro sogar Deutschland bremst. Dennoch haben wir genau dieses Konstrukt mit all seinen Problemen und Krisenfolgen nun seit fast zwei Jahrzehnten, und niemand kann sagen, ob wir dieses halbherzige Gebilde nicht noch weitere zwanzig Jahre durchschleppen oder ob wir am Ende doch die Vereinigten Staaten von Europa haben und der Euro dann die richtige Währung für diese politische Union sein wird, wenn vielleicht auch längst in Form eines bargeldlosen Krypto-Euro.

Wer immer sich mit geopolitischen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt, macht allzu oft den Fehler, die zeitlichen Komponenten massiv zu unterschätzen. Man sieht die Zusammenhänge, schreibt die derzeitige Entwicklung linear fort und kommt zu klaren Ergebnissen, wie die Zukunft aussehen wird. Doch das beinhaltet zwei gefährliche Irrtümer: Der erste ist die zeitliche Komponente. Im eigenen Gehirn laufen diese erwarteten Entwicklungen im extremen Zeitraffer ab, und man glaubt, die daraus resultierenden Ergebnisse müssten in wenigen Wochen zutage treten. Tatsächlich sind es oft Jahre, in denen diese Ereignisse sich langsam und keineswegs geradlinig entwickeln. In dieser angenommenen Geradlinigkeit steckt auch schon der zweite Fehler. In den seltensten Fällen lässt sich die gerade stattfindende Entwicklung linear fortschreiben.


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Nehmen wir beispielhaft die Flüchtlings- oder besser Völkerwanderungswelle im Jahr 2015. Eine Million Menschen kamen binnen kürzester Zeit nach Deutschland. In der Diskussion war oft zu hören: „Wenn das so weitergeht, sind das in fünf Jahren fünf Millionen Zuwanderer. Und da ist der Familiennachzug noch nicht mal berücksichtigt!“ Genau in der Floskel „Wenn das so weitergeht“ steckt der Haken. Niemand konnte zu jener Zeit absehen, dass wenige Monate danach ein Flüchtlingsdeal mit der Türkei den Zustrom rapide reduzieren würde. Und schon fällt das ganze eigentlich klar absehbare Szenario in sich zusammen. Der große Katastrophen-Sturm reduziert sich auf ein kleineres Gewitter. Das schließt allerdings nicht aus, dass sich auch dieser Rückgang nur als vorübergehende Wendung herausstellt und die Gewitterzelle sich wieder auflädt. Aber es zeigt, wie schwierig und oftmals falsch es ist, aktuelle Entwicklungen direkt fortzuschreiben.

Bleibt also die Frage, wie sich künftige Entwicklungen überhaupt prognostizieren lassen. Wie kann man denn wissen, was auf einen zukommt?


Auf gute Investments,

Ihr

Dirk Müller



Am 13. Oktober 2018 wird Dirk Müller beim Privatinvestor-Tag in Köln ausführlich zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage referieren.

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