2. September 2019

Aktienmärkte im Umbruch

Die richtige Strategie für eine schwierige Zeit

von Prof. Dr. Max Otte

Aktienmärkte im Umbruch: Die richtige Strategie für eine schwierige Zeit


Sollten wir jetzt überhaupt noch investieren, sehr geehrte Leser?

Eine gute Frage. Lassen Sie mich Ihnen zunächst etwas Mathematik zumuten. Dies ist nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal bleiben. Genauso wenig, wie die meisten Menschen ein Instrument spielen können, ohne Noten zu lesen, ist sinnvolles Investieren möglich, ohne elementare Mathematik anzuwenden und Geschäftsberichte zu lesen. Mit einer Aktie lassen sich durch Kurssteigerungen und Dividenden Erträge erzielen.

Also ganz einfach:
Ertrag
= Kurssteigerung + Dividende
= Gewinn je Aktie x KGV + Dividende
= (Gewinnmarge x Umsatz / Aktienanzahl) x KGV + Dividende

Sieht man sich die Komponenten der Erträge für die einzelnen Regionen des MSCI World Index in den letzten fünf und in den letzten zwanzig Jahren an, wird eines klar: Während über die letzten zwanzig Jahre die Gewinne je Aktie und die Dividenden den Löwenanteil zum Ertrag beisteuerten, waren es in den letzten fünf Jahren im MSCI World, den USA und Europa vor allem die KGVs, die gestiegen sind. Es war also ein Preis- und Bewertungsanstieg ohne reale Unterfütterung.


Aktienmärkte im Umbruch: Die richtige Strategie für eine schwierige Zeit

Selbst in Asien macht er 30 Prozent des Anstiegs aus. In Europa stiegen die Bewertungen sogar um 112 Prozent, was durch negatives Gewinnwachstum und negative Währungseffekte teilweise kompensiert wurde.

Wenn Sie sich diese Entwicklung ansehen, ist es richtig, vorsichtiger zu werden.

Gänzlich auf Aktien im Anlagemix zu verzichten wäre allerdings, trotz der aktuellen Überbewertungen, übertrieben. Mein Team und ich finden auch jetzt noch interessante Unternehmen.

Im Boom-Jahr 2018 ist die Zahl der Börsianer zwar erneut gestiegen – rund 250.000 mehr als im Jahr 2017 – doch die Zahl der Anleger, die allein in Aktien investieren und damit Ihre Geldanlage in die eigenen Hände nehmen, ist leicht gesunken. Die eine Geldanlage in Aktienfonds ist hingegen deutlich gestiegen. Als Fondsberater sehe ich dies natürlich auch mit einem lachenden Auge. Immerhin haben 12,5 Prozent der Deutschen Aktien oder Fondsanteile. So viele waren es zuletzt kurz vor dem Platzen der Immobilienblase und dem Untergang von Lehman Brothers. Die daraus entstandene Finanzkrise ist bis heute nicht gelöst worden.

Übrigens: Mein Vermögensbildungsfonds hat zuletzt vom Magazin „Euro am Sonntag“ die Note 1, mein PI Global Value Fund die Note 2 erhalten!

Ist dies ein schlechtes Omen?

Auch im Jahr 2007 lief alles bestens an den Börsen. Die Kurse gingen schön nach oben und jeder wollte dabei sein. Was ist bei der Gier das Schlimmste? Wenn man bei der Party nicht dabei ist. Auch heute scheinen viele Menschen Angst zu haben, die Hausse zu verpassen.

Ich glaube nicht an Omen und böse Vorzeichen. Die steigende Aktionärszahl ist aber auch keine Entwarnung für die Aktienkultur. Erstens sind die Anleger in der Vergangenheit häufig der Kursentwicklung nachgelaufen. Zweitens haben sie sich bei fallenden Kursen schnell wieder von ihren Anlagen getrennt.

Definitiv: 10,3 Millionen Aktionäre sind immer noch zu wenig

Gerade in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern und einer trotz aller Herausforderungen noch robusten Volkswirtschaft. Zum Vergleich: Fast ein Drittel aller US-Amerikaner zum Beispiel investiert in irgendeiner Weise in den Aktienmarkt.

Und auch Italiener sowie Niederländer machen es uns vor, wie man trotz niedriger Sparraten ein ordentliches Vermögen aufbauen kann. Auch unsere europäischen Nachbarn sind sehr viel besser auf dem Börsenparkett unterwegs als wir Deutsche.





Vor allem Geduld und gute Nerven sind entscheidend für den erfolgreichen Vermögensaufbau mit Aktien. Die Wartezeit in der Baisse verkürzen Sie, liebe Leser, am besten durch gezieltes Nachkaufen in starke aber unterbewertete Unternehmen. Auf dieses Weise können Sie Ihr Portfolio zudem geschickt verbilligen.


Voraussetzung ist natürlich, dass Sie zuvor genügend Liquidität geparkt haben, um zuzuschlagen, wenn gute Unternehmen wieder günstig werden. In meinen Fonds beispielsweise liegt die Cash-Quote bei rund 40 Prozent. Sehr hoch, aber mein Team und ich wissen, dass die Baisse nicht mehr lange auf sich warten lässt.



Weltsystemcrash: Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung

Timing ist sehr schwierig, aber wir sehen bereits deutliche Anzeichen am Horizont und bereiten uns, so gut es geht, vor. Die makroökonomischen Rauchzeichen der kommenden Krise beschreibe ich Ihnen ausführlich in meinem neuen Buch „Weltsystemcrash“.

In der Krise ist Sicherheit und Kapitalerhalt oberste Pflicht des Investors. Leider ist nicht überall, wo „Sicherheit“ draufsteht, auch „Sicherheit“ drin – schon gar nicht bei den Lebens-„Versicherungen“ oder Garantieprodukten, die Ihnen von der Finanzbranche angeboten werden. Es bleibt leider dabei: Ihre Finanzen sind Chefsache. Nur Sie selber können letztlich die Verantwortung dafür übernehmen.

Attraktive Chancen wahrnehmen – und gleichzeitig die Liquidität schrittweise aufbauen – ist eine gute Basisstrategie für die nächste Zeit. Konkrete Anlagetipps für die kommende Krisenzeit finden Sie jeden Freitag in meinem Börsenbrief Der Privatinvestor, aber auch in meinem neuen Buch „Weltsystemcrash“, das am 29. Oktobter erscheinen wird.



Auf gute Investments,
Ihr
Max Otte


P.S.: Viele weitere Informationen zu Anlagestrategien, aktuelles Börsenwissen und neueste Unternehmensanalysen finden Sie auf unserem Blog, täglich per WhatsApp und natürlich auch in unserem E-Mail-Newsletter.

Auch wir verwenden Cookies – das ist nichts Schlimmes. Sie erleichtern die Benutzung der Seite.

Auch wir verwenden Cookies – das ist nichts Schlimmes. Sie erleichtern die Benutzung der Seite.